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  Mönch auf der Bühne
 

Interview
Atmen & Angst

Pola Roy ist durch Atemübungen zu einem besseren Musiker und gelasseneren Menschen geworden. Für den Schlagzeuger von »Wir sind Helden« ersetzte Meditation Alkohol und Drogen. Nur sein Sohn kann ihn jetzt noch aus der Ruhe bringen. Im Interview erzählt er von seiner Methode, Ängste zu bannen.

 
Gespräch: Elisabeth Wagner

Wann haben Sie denn zum ersten Mal bewusste Erfahrung mit dem Atem gemacht?

Mit 14, 15. Ich hatte angefangen, mich mit östlichen Philosophien zu beschäftigen, hörte indische Sitar-Musik. Und irgendwann tat ich spielerisch so, als würde ich meditieren. Irgendwo hatte ich aufgeschnappt, dass man dabei auf den Atem achtet. Zusammen mit der Musik besaß das eine starke Wirkung auf mich. Das waren tranceähnliche, sehr sinnliche Zustände.

Sie hatten schnell einen Zugang?

Ich habe mich fallen lassen. Das Wesentliche an der Atemmeditation ist ja, dass man sich dem Atem aufmerksam hingibt, dass man ihn nicht manipuliert, ihn nicht führt wie etwa im Yoga. Man versucht, nur auf diesen feinen Luftstrom an der Nasenspitze zu achten, der beim Ein- und Ausatmen entsteht. Im besten Fall wird man eins mit dem, was man tut. Man atmet, nichts weiter. Jede Anstrengung verschwindet.

Klingt schrecklich überlegen.

Nein, darum geht es nicht. Mit 16 hatte ich immerhin sehr konkrete Anlässe, mich um Entspannung zu bemühen. Ich hatte durchs Schlagzeugspielen und den Sport, das Fechten, Probleme mit der Schulter bekommen. Und gleichzeitig war da eine große Angst vor dem Versagen. Ich besuchte eine Musikschule, dort fanden regelmäßig Vorspielabende statt. Das war ein Riesenproblem.

Wieso?

Mir war die Musik ungeheuer wichtig, und gerade beim Vorspielen vor Eltern und Lehrern verkrampfte ich mich völlig. Es war bizarr, aber ich stand neben mir, konnte mir zusehen, wie ich zitterte, wie meine Bewegungen kantig wurden. Ich wollte diesen Schalter umlegen und sagen können: Guten Tag, ich spiel euch das jetzt vor.

Ein schöner Plan.

Eine Krankengymnastin hat mir damals Entspannungsübungen gezeigt. Eine Zeit lang habe ich die vor dem Schlagzeugspielen eine halbe Stunde geübt. Später, mit Anfang 20, suchte ich schließlich verstärkt nach Veränderung. Ich habe experimentiert, alles Mögliche ausprobiert, bis hin zum Okkulten. Merkwürdige Begegnungen waren das zum Teil, und diese Suche handelte selbstverständlich nicht ständig von Angst, sondern auch von Lust. Die Erkenntnisse über beides haben sich erst nach und nach eingestellt.

Und wie?

Udo Dahmen, mein Lehrer während des Schlagzeugstudiums, hat mich stark beeinflusst. Der war Buddhist. Er hat wenig, fast gar nicht darüber gesprochen, aber er war wunderbar konzentriert, sehr herzlich und offen. Ich mochte ihn sehr. Er hat die Schüler genau beobachtet, hat ganz bewusst Impulse gegeben. Das war wichtig. Denn er hat schon ein Talent in mir erkannt, aber genauso die Blockaden und das mangelnde Selbstbewusstsein verstanden. »Du hast Angst vor der eigenen Courage«, sagte er mir. Irgendwann habe ich ihn direkt nach einer Meditation gefragt.

Was hat er Ihnen geraten?

Ich sollte überprüfen, ob sich diese Angst beim Vorspielen auf eine ganz bestimmte Person konzentriert. Dann sollte ich mir diese Person vorstellen und versuchen, im Geist einmal um sie herum zu laufen. »Schau, was passiert!« – Das war die Aufgabe.

Und ist das Meditation?

Klar. Meditation braucht zunächst nichts weiter als ein Objekt. In der buddhistischen Tradition sind 40 Meditationsobjekte überliefert. Viele davon betreffen den Atem, der an unterschiedlichen Stellen des Körpers wahrnehmbar ist. Ein anderer Teil zielt auf Visualisierung. Die Tibeter stellen sich häufig einen Buddha vor und versuchen, diese Form vor dem inneren Auge zu halten.

Vor Ihrem inneren Auge erschien Udo Dahmen.

Ja. Zwei Wochen, jeden Tag. Am Anfang war das schwierig. Ich bekam ihn nicht zu fassen, danach hat er sich mitgedreht. Und irgendwann klappte es, und meine Angst wurde etwas handlicher. Nach dieser Erfahrung habe ich ernsthaft angefangen zu meditieren. Ich ließ den Atem kommen und gehen. Das war schwierig genug.

Hat sich die Anstrengung gelohnt?

Der nächste Schritt war, dass die Meditation mein Bedürfnis nach Rausch zum Verschwinden brachte. Ich habe Rausch mehr und mehr als unangenehme Trübung empfunden. Das feine Vergnügen lag in der Klarheit. Damals habe ich aufgehört zu rauchen, zu kiffen, Alkohol zu trinken. Gleichzeitig kam eine entscheidende Lebenswende. Ich bin nach Hamburg gegangen, habe meine Band kennengelernt. Ganz plötzlich habe ich ein völlig anderes Leben geführt...

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