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+++ 23.11.2007 Bestellungen für den Günter-Rössler-Kalender 2008 bitte formlos per Mail an DAS MAGAZIN (siehe Kontakt) oder Telefon: 030/ 48496230. Das gute Stück kostet 36 Euro zzgl. 6 Euro Versand. Adresse und gwünschte Zahlunsgweise bitte angeben. +++
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AKTKUNST - MANFRED GEBHARDT |
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Leseprobe
Die ewige Diskussion um den Akt
Auszug aus den Erinnerungen von Manfred Gebhardt, Chefredakteur des Magazins von 1979 bis 1991. Sein Buch "Die Nackte unterm Ladentisch" erschien 2002
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Die meisten Kollegen aus anderen Redaktionen dachten, das Schönste an meiner Arbeit sei die monatliche Suche nach dem Akt. Wenn ich um etwas beneidet wurde, dann darum. Natürlich war das eine Arbeit unter vielen…
Der monatliche Akt wurde von allen Mitarbeitern ausgewählt, in einer besonderen Beratung, in der es um die Farbseiten und um die wichtigsten Fotos ging. Gerade über den Akt haben wir oft heftig gestritten, denn der Maßstab, den wir anlegten, war hoch. Es zeigte sich besonders hier, wie wichtig es war, daß sich die Redaktion immer etwa zur Hälfte aus männlichen und weiblichen Mitarbeitern zusammensetzte. … So kamen beide Sichten zur Sprache, und da gab es durchaus unterschiedliche Kriterien. Denn es ging natürlich nicht nur darum, ob das Modell zu dick (Redaktionsjargon: »Weihnachtsgans Auguste«) oder zu dünn (»Für die Liebe noch zu mager« – Titel eines beliebten DEFA-Films) war, der Busen zu groß oder zu klein oder ob am linken großen Zeh ein schwarzer Fleck störte. Die Kolleginnen sahen viel mehr als die Männer auf den selbstbewußten Ausdruck und die Körpersprache des Modells; für die männlichen Kollegen stand mehr die erotische Ausstrahlung im Vordergrund. Beides war für die Entscheidung wichtig. Schließlich bestanden auch unsere Leser zur Hälfte aus Männern und zur Hälfte aus Frauen, und beide brachten ihre speziellen Erwartungen ein…
Dabei war der Pfad zwischen hohem künstlerischen Anspruch von Fotograf und Redaktion und den erotischen Erwartungen von Millionen Lesern, zwischen artifizieller Gestaltung und einer Vorlage für erotische Träume oft sehr schmal. Wie sollte er also sein, der Akt? Eine Frau für alle oder eine für alle Fälle? Sollte das Modell mehr andeuten oder mehr zeigen?
Wir versuchten, jeden Monat neu, den Balanceakt zwischen Kunst und Erwartung: Der Akt sollte die Phantasie anregen und ästhetisches Empfinden ansprechen.
Hunderterlei war bei der Auswahl zu beachten. Der Leser dann warf einen Blick darauf und fällte sein Urteil: Er hatte etwas dabei empfunden oder nicht, war erfreut oder enttäuscht, es war sein Typ, oder er war es nicht. Dann machte er seinem Herzen Luft, und manchmal schrieb er auch an die Redaktion.
Ich wurde oft gefragt, woher die Aktfotos im »Magazin« kamen. Die Redaktion besaß nie ein eigenes Fotoatelier, zu schweigen von einem Atelier für Aktaufnahmen. Wir waren also in erster Linie auf die Angebote professioneller Fotografen angewiesen. Von denen aber beschäftigten sich nur wenige mit der Aktfotografie. Es waren alles in allem vielleicht ein halbes Dutzend Fotografen aus der DDR, einer aus Warschau, eine Fotografin aus Prag und einmal sogar ein Kollege aus Moskau, die uns mit Aktfotos versorgten. Allen voran Günter Rössler aus Leipzig, der heute als Altmeister der DDR-Aktfotografie gilt. …
Doch keiner der Fotografen aus der DDR beschäftigte sich, wie das in westlichen Ländern üblich war und ist, ausschließlich mit diesem Genre. Dafür gab es hier einfach keinen Markt… »Das Magazin« war im wesentlichen der einzige Abnehmer. Und das brachte 12 (zwölf) Fotos im ganzen Jahr. Lehnten wir – aus welchen Gründen auch immer – ein Foto ab, hatte der Fotograf kaum noch eine Möglichkeit, es zu veröffentlichen. Das war auch der Grund, weshalb es die meisten erst gar nicht versuchten; denn ein Akt erfordert viel mehr Aufwand als die meisten Reportage- oder Nachrichtenfotos. Und selbst wenn so ein Foto im »Magazin« erschien, war damit kein Preis zu gewinnen. Wir zahlten ein Honorar von 100 oder 200 DDR-Mark. Und auch Fotomodell war kein Beruf. Die Mädchen erhielten 50, höchstens 100 Mark, und das nur, wenn das Bild veröffentlicht wurde. Oft waren es Studentinnen der Kunsthochschulen oder Freundinnen der Fotografen.
Nicht wenige Autoren von Aktfotos waren Frauen, einige von ihnen waren zuvor selbst Modelle gewesen und hatten dann den Platz vor der Kamera mit dem dahinter getauscht. Eins der schönsten Modelle von Günter Rössler, die Studentin Eva Mahn von der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle, wurde eine unserer besten Aktfotografinnen. Zu dem, was sie bei Günter Rössler gelernt hatte, brachte sie ihre Weiblichkeit in die Bilder ein und ihren eigenen künstlerischen Ausdruck.
Auch Angela Fensch hat als Fotomodell, auch für Aktaufnahmen, angefangen, bevor sie sich als Fotografin einen Namen machte, außerdem war sie ein begehrtes Mannequin beim deutschen Modeinstitut der DDR – das war damals eine interessante, aber keineswegs lukrative Beschäftigung. Angela Fenschs Aufnahmen bestachen nicht nur durch das inszenierte Umfeld, in dem ihre Modelle agierten, sondern auch durch ihre enge Beziehung zur Mode.
Obwohl unsere Aktfotos niemals anrüchig oder anzüglich waren, ist es uns nur ein einziges Mal gelungen, daß sich eine Schauspielerin unter ihrem Namen als Akt fotografieren ließ.
Worin mag diese Scheu begründet gewesen sein? Für die männlichen Schauspieler galt ja das gleiche. Obwohl eine sächsische Frauenbrigade aus dem damaligen Karl-Marx-Stadt ganz konkrete Wünsche angemeldet hatte: Die Frauen wollten Aktfotos von Schauspielern »in folgender Reihenfolge« sehen: »Gojko Mitic, Frank Schöbel, Klaus Dieter Henkler, Gunter Schoß, Ingolf Gorges und Benjamin Besson.«
Da viele Leser unsere Hefte und vielleicht auch nur die Aktfotos sammelten und über Jahre aufhoben, waren wir immer auf der Suche nach neuen Mitstreitern auf den Gebiet der Aktfotografie. Im Oktober 1979 lud die Redaktion Modelle, Fotografen und Kunstwissenschaftler zu einem »Akt-Pleinair« in das sächsische Höfgen, ein Dorf an der Mulde, ein, um über Aktfotografie zu reden und Akt zu fotografieren. Günter Rössler war mit von der Partie und Eva Mahn, unsere Bildredakteurin Brigitte Sellin und einige andere. Eins der Modelle war erst von der Nachtschicht in einem Volkseigenen Betrieb in Colditz gekommen und sollte nun heiter und locker vor den Kameras der Fotografen agieren. So ein Pleinair war für alle Teilnehmer etwas Neues, und alle waren von der Idee angetan.
»Das Magazin« veröffentlichte im März 1980 einige Ergebnisse dieses Pleinairs und stellte die Bilder zur Diskussion. Es waren eine ganze Reihe sehr interessanter Fotos darunter. Das Echo war, wie erwartet, groß. Nach Ansicht der Leserin Lieselotte Martin aus Rostock zeigten die Aufnahmen »die Spannweite, die – Pornografie ausgeschlossen – möglich ist zwischen dem natürlichen und dem nicht natürlichen Aktfoto. Beide sind ästhetisch, ja – ich wage das Wort – künstlerisch vertretbar. Nicht akzeptabel ist der Naturalismus, für den Sie erstaunlicherweise gleichfalls ein Beispiel gedruckt haben…«
Ausgerechnet dieses Bild aber, »zwei Nackte, hingestellt und knips«, wie der Leser Werner Eilitz aus Dresden kritisiert, fand die größte Resonanz bei den Lesern. Wolfgang Stronz aus Bernburg fand: »Diese Modelle müssen wohl jeden Geschmack treffen«, und für Wolfgang Koch aus Markkleeberg »strahlt die Aufnahme soviel jugendliche Anmut und Unbefangenheit aus, daß ich das Heft immer wieder zur Hand nehme. Verstärkt wird der Eindruck noch durch den etwas träumerischen Blick des einen Mädchens.« Und Dieter Heß aus Babelsberg schließlich fordert: »Bringt weiter schöne Halbakte und Aktaufnahmen.« Doch gerade das war nicht unsere Vorstellung vom monatlichen Akt, er sollte eben nicht ›deutlich‹ sein und Modelle mit »träumerischem Blick« ablichten.
Noch zwei Jahre später, als wir die Leser aufriefen, unter den Aktfotos der beiden Jahre 1980 und ’81 das schönste auszusuchen, gewann dieses Foto mit großem Abstand vor allen anderen, darunter Aufnahmen, die in Ausstellungen mit Erfolg gezeigt wurden. Das mußte uns zu denken geben. Schließlich machte man ja solche Befragungen, um die Interessen der Leser kennen zu lernen.
Was hier an einem Aktfoto diskutiert wurde, ist eine Grundfrage für jede Redaktion. Beuge ich mich dem Massengeschmack oder oktroyiere ich dem Leser meine Überzeugung? Wie weit kann, soll, muß ich den Wünschen der Leser nachgeben, wenn sie sich nicht mit meinem Anliegen decken? In dem einen Fall kann ich Leser verlieren, im anderen das Profil der Zeitschrift. »Das Magazin« hat diese Frage in allen wesentlichen Dingen immer zugunsten unseres künstlerischen Niveaus entschieden.
Manfred Gebhardt, von 1979 bis 1991 Chefredakteur des »Magazins«, feierte im Januar 2002 fünfundsiebzigsten Geburtstag. Er arbeitete seit 1962 bei der Zeitschrift – nun erschienen seine Erinnerungen rund um Das Magazin im NORA-Verlag. In seinem Buch »Die Nackt eunterm Ladentisch« schildert er informativ und unterhaltsam, wie das Blatt zur Legende wurde, erzählt Anekdoten und zieht persönlich Bilanz. (siehe Lesershop)
Weitere Buchempfehlung:
Die Nackte Republik. Akt- und FKK-Fotografie von Amateuren, Magazin Spezial (Link Lesershop)
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