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  CHRONIK
 

Magazin-Historie
Die älteste Zeitschrift Deutschlands

Die einen nenen das Blatt »New Yorker des Ostens«, die anderen monatliche Wundertüte: Das Magazin, gegründet 1924, erfindet sich immer wieder neu und hat mit seiner ungewöhnlichen Mischung aus Journalisumus und Literatur seit Jahrzehnten Erfolg

 

1924. Der Bankangestellte Robert Siodmak, Mitte zwanzig, saß im Cafe und überlegte, daß es doch interessanter sei, Verleger zu werden statt im Büro zu sitzen. Neben ihm am Tisch: der Publizist Franz Wolf Koebner, der wohl auch die Stichworte lieferte. In Amerika kam gerade ein neuer, handlicher Zeitschriftentyp sehr in Mode. Diese sogenannten Magazine waren unterhaltsam geschrieben und reichlich illustriert. Der junge Siodmak überredete seinen Chef vom Bankhaus Mattersdorf, bekam 20 000 Mark Kredit und gründete in Berlin Das Magazin.
Die Zeitschrift hatte es nicht leicht, in den Zwanzigern der Weimarer Republik auf sich aufmerksam zu machen, gab es doch in Deutschland zu dieser Zeit über 5000 Titel! Viele verschwanden schnell, Das Magazin gibt es heute noch.

Die zwanziger Jahre - ein lautes, schrilles Jahrzehnt. Das Magazin pflegte von Anfang an ein buntes Spektrum an Themen und Illustrationen. Gut die Hälfte des Platzes ist den Fotoreportagen gewidmet. Persönlichkeiten wie Man Ray oder Heinz Hajek-Halke veröffentlichten regelmäßig. Beide schrieben später Fotogeschichte.
Ein wichtiges Thema von Beginn an war die schöne Nackte im Heft, die in den 20er Jahren tugendhaft, unschuldig und rein war. Die schöne, moderne Frau war das Thema schlechthin - im Zusammenspiel mit Prominenz, um so besser. Marlene Dietrich posierte nicht nur als Modell, sondern berichtete höchstpersönlich über erste Erlebnisse in Hollywood aus dem Jahr 1930. Neues über die Prominenz, Ratgeber und Modeseiten, eine Prise Erotik, Reisegeschichten und Kopfkissenlektüre - das war das Magazin in den goldenen Zwanzigern.

März 1933. Die erste Ausgabe des Magazins nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Januar des Jahres erschien mit drei düsteren Seiten, überschrieben: "Der Alp - Nächtliche Visionen von W. Heinitz." In Wort und Zeichnung. Heinitz‘ Vision des Grauens ist für die Zeitschrift der Gipfel dessen, was sie wagt. Das Magazin der dreißiger Jahre wird in den nächsten Monaten und Jahren den Wandel vom Glamourheft zur Frontillustrierten vollziehen. Diese Entwicklung ließ das Magazin an Schwung verlieren, es wurde biederer. Das zeigte sich unter anderem in dem nun propagierten Frauentypus - bodenständig, fleißig und sparsam. Ab 1939/40 hatte die Zeitschrift ihren ursprünglichen Charakter verloren. Das Blatt gehörte nun zum Instrumentarium nationalsozialistischer Propaganda. Im Juli 1941 wurde sein Erscheinen bis auf weiteres eingestellt, "um Mensch und Material für andere kriegswichtige Zwecke freizumachen".

Die Wiedergeburt erlebte das Magazin nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Ein anregendes und vergnügliches Unterhaltungsblatt sollte her, um den Menschen mehr Abwechslung zu bieten. Im Sommer 53 traf eine kleine Runde prominenter Persönlichkeiten, darunter Bertolt Brecht sowie die Geschwister Gerhart und Hanns Eisler, in Berlin zusammen. "Das Magazin" wurde aus der Taufe gehoben, die erste Ausgabe erschien im Januar 1954. Hilde Eisler ab 1956 Chefredakteurin, prägte das Blatt mit ihrer liberalen und weltoffenen Einstellung maßgeblich. Mit einer bunten Mischung aus Kultur, Mode, Kochkunst, erotischen Geschichten und Reportagen aus fernen Ländern wurde die Zeitschrift schnell populär. Das obligatorische Aktfoto wurde zum Markenzeichen, ebenso wie der von Zeichner Werner Klemke erdachte charmant-frivole Kater.
Auf der Liste derer, die ihre Texte im Heft veröffentlichten, finden sich bekannte Namen, wie Stefan Heym, Anna Seghers, Arnold Zweig und Christa Wolf. Die Zeitschrift wurde zum Publikumsliebling in der DDR. Die Auflage von mehr als 500000 Exemplaren war jedesmal restlos ausverkauft; mehr konnten auf Grund von Papierrationierungen nicht gedruckt werden. Abos wurden vererbt, so begehrt war das Blatt.

Die Wende bringt für viele DDR-Zeitschriften das Aus - Das Magazin bleibt. Mit den 90ern begann für das Heft ein bewegtes Jahrzehnt. Die Auflage sank, die Zeitschrift mußte ihren neuen Platz finden. Im Jahr 1991 kauften Gruner + Jahr den Berliner Verlag, in dem auch Das Magazin erschien."Playboy des Ostens" sollte es werden - Erotik und Sex, Geschichten um Männer und Frauen nahmen zu. Die "Durchero-tisierung" kam bei den Lesern nicht an und war kommerziell wenig erfolgreich. Das Magazin wurde verkauft. In den nächsten Jahren wechselte es noch oft den Besitzer; inzwischen erscheint es im Eigenverlag und setzt wieder auf ursprüngliche Stärken: Besonderes entdecken und die Zeitläufte spiegeln.

Die Redaktion sitzt in Berlin und bietet mit einem Mix aus Literatur, Reportagen und Alltagsthemen jeden Monat anspruchsvolle Unter-haltung.

Text: Andrea Mauer
Quelle: u.a. 75 Jahre - Das Magazin-Spezial

 
 
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