+++ 23.11.2007 Bestellungen für den Günter-Rössler-Kalender 2008 bitte formlos per Mail an DAS MAGAZIN (siehe Kontakt) oder Telefon: 030/ 48496230. Das gute Stück kostet 36 Euro zzgl. 6 Euro Versand. Adresse und gwünschte Zahlunsgweise bitte angeben. +++  
  Titelthema
 

Gesellschaft
Manieren oder maniriert?

Was ist schlecht am Gerede vom »guten Benehmen«? Das Titelthema der Dezember-Ausgabe erötert Sinn und Unsinn von Benimmregeln – unter anderem in einem Gespräch mit Moritz Freiherr Knigge, Nachfahre des Mannes, der als Urheber diverser Vorschriften gilt. Ein historischer Irrtum, wie so vieles andere im großen Labyrinth der Manieren. (Foto: Jan Kopetzky) Ein paar Tipps, was man im Ausland möglichst wissen sollte, gibt es nicht im Heft, dafür hier auf der Webseite, wenn Sie auf »weiter« klicken.

 
Weitere Themen in der aktuellen Ausgabe:

Vom »Tatort « in den Probenraum: Schauspieler Bernd-Michael Lade ist zwar Ehrenkommissar der sächsischen Polizei, am Mikrofon gibt er jetzt aber wieder den Punk

Weihnachten im Himmel: Wiglag Droste feiert mit Gott & Gattin

Götterbote im Billiglohnsektor: Tourenprotokoll eines Paketausträgers

Parchim, Peking & Herr Pang: Die Chinesen haben am Rande der Kleinstadt mit ihren Fachwerkbauten einen Airport eröffnet, er soll ihr europäisches Drehkreuz werden. Klingt abwegig? Drei Maschinen pro Woche landen schon
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  Mönch auf der Bühne
  Gespräch: Elisabeth Wagner

Wann haben Sie denn zum ersten Mal bewusste Erfahrung mit dem Atem gemacht?

Mit 14, 15. Ich hatte angefangen, mich mit östlichen Philosophien zu beschäftigen, hörte indische Sitar-Musik. Und irgendwann tat ich spielerisch so, als würde ich meditieren. Irgendwo hatte ich aufgeschnappt, dass man dabei auf den Atem achtet. Zusammen mit der Musik besaß das eine starke Wirkung auf mich. Das waren tranceähnliche, sehr sinnliche Zustände.

Sie hatten schnell einen Zugang?

Ich habe mich fallen lassen. Das Wesentliche an der Atemmeditation ist ja, dass man sich dem Atem aufmerksam hingibt, dass man ihn nicht manipuliert, ihn nicht führt wie etwa im Yoga. Man versucht, nur auf diesen feinen Luftstrom an der Nasenspitze zu achten, der beim Ein- und Ausatmen entsteht. Im besten Fall wird man eins mit dem, was man tut. Man atmet, nichts weiter. Jede Anstrengung verschwindet.

Klingt schrecklich überlegen.

Nein, darum geht es nicht. Mit 16 hatte ich immerhin sehr konkrete Anlässe, mich um Entspannung zu bemühen. Ich hatte durchs Schlagzeugspielen und den Sport, das Fechten, Probleme mit der Schulter bekommen. Und gleichzeitig war da eine große Angst vor dem Versagen. Ich besuchte eine Musikschule, dort fanden regelmäßig Vorspielabende statt. Das war ein Riesenproblem.

Wieso?

Mir war die Musik ungeheuer wichtig, und gerade beim Vorspielen vor Eltern und Lehrern verkrampfte ich mich völlig. Es war bizarr, aber ich stand neben mir, konnte mir zusehen, wie ich zitterte, wie meine Bewegungen kantig wurden. Ich wollte diesen Schalter umlegen und sagen können: Guten Tag, ich spiel euch das jetzt vor.

Ein schöner Plan.

Eine Krankengymnastin hat mir damals Entspannungsübungen gezeigt. Eine Zeit lang habe ich die vor dem Schlagzeugspielen eine halbe Stunde geübt. Später, mit Anfang 20, suchte ich schließlich verstärkt nach Veränderung. Ich habe experimentiert, alles Mögliche ausprobiert, bis hin zum Okkulten. Merkwürdige Begegnungen waren das zum Teil, und diese Suche handelte selbstverständlich nicht ständig von Angst, sondern auch von Lust. Die Erkenntnisse über beides haben sich erst nach und nach eingestellt.

Und wie?

Udo Dahmen, mein Lehrer während des Schlagzeugstudiums, hat mich stark beeinflusst. Der war Buddhist. Er hat wenig, fast gar nicht darüber gesprochen, aber er war wunderbar konzentriert, sehr herzlich und offen. Ich mochte ihn sehr. Er hat die Schüler genau beobachtet, hat ganz bewusst Impulse gegeben. Das war wichtig. Denn er hat schon ein Talent in mir erkannt, aber genauso die Blockaden und das mangelnde Selbstbewusstsein verstanden. »Du hast Angst vor der eigenen Courage«, sagte er mir. Irgendwann habe ich ihn direkt nach einer Meditation gefragt.

Was hat er Ihnen geraten?

Ich sollte überprüfen, ob sich diese Angst beim Vorspielen auf eine ganz bestimmte Person konzentriert. Dann sollte ich mir diese Person vorstellen und versuchen, im Geist einmal um sie herum zu laufen. »Schau, was passiert!« – Das war die Aufgabe.

Und ist das Meditation?

Klar. Meditation braucht zunächst nichts weiter als ein Objekt. In der buddhistischen Tradition sind 40 Meditationsobjekte überliefert. Viele davon betreffen den Atem, der an unterschiedlichen Stellen des Körpers wahrnehmbar ist. Ein anderer Teil zielt auf Visualisierung. Die Tibeter stellen sich häufig einen Buddha vor und versuchen, diese Form vor dem inneren Auge zu halten.

Vor Ihrem inneren Auge erschien Udo Dahmen.

Ja. Zwei Wochen, jeden Tag. Am Anfang war das schwierig. Ich bekam ihn nicht zu fassen, danach hat er sich mitgedreht. Und irgendwann klappte es, und meine Angst wurde etwas handlicher. Nach dieser Erfahrung habe ich ernsthaft angefangen zu meditieren. Ich ließ den Atem kommen und gehen. Das war schwierig genug.

Hat sich die Anstrengung gelohnt?

Der nächste Schritt war, dass die Meditation mein Bedürfnis nach Rausch zum Verschwinden brachte. Ich habe Rausch mehr und mehr als unangenehme Trübung empfunden. Das feine Vergnügen lag in der Klarheit. Damals habe ich aufgehört zu rauchen, zu kiffen, Alkohol zu trinken. Gleichzeitig kam eine entscheidende Lebenswende. Ich bin nach Hamburg gegangen, habe meine Band kennengelernt. Ganz plötzlich habe ich ein völlig anderes Leben geführt...

Weiterlesen in der aktuellen Ausgabe DAS MAGAZIN 12/2007.

Was halten Sie von Meditation als Lebenshilfe? Sind Yoga, Tai Chi und Atemübungen für sie Esokram oder der Weg zu einem besseren Leben? Wir freuen uns auf Ihre Meinungen im Forum unter www.dasmagazin.de/forum.


 
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  Folklore
  Text und Foto: Beate Tyron

… Schneider hat sich an die Spitze einer Bewegung gesetzt, die des Thüringers Leibspeise retten will. Und das geht so: Seit knapp einem halben Jahr sammelt er mit Gleichgesinnten Unterschriften. Die Forderung lautet: »Der Thüringer Kloß soll immaterielles Unesco-Weltkulturerbe werden.«
Ein Kloß als Weltkulturerbe? Geht das überhaupt? Theoretisch schon, sagt Dieter Offenhäuser, Sprecher der deutschen Unesco-Kommission. Er klingt ein bisschen hämisch. »Sie merken schon, was ich davon halte. Es geht schließlich um den deutschen Beitrag zur Weltkultur. Da gibt es doch Wichtigeres als einen Kloß, zum Beispiel die unterschiedlichen Karnevalstraditionen«, spricht Herr Offenhäuser mit unverkennbar rheinländischem Akzent.

Karneval hin – Kloß her. Bislang kann in Deutschland sowieso nichts, rein gar nichts immaterielles Weltkulturerbe werden. Zwar trat im April 2006 das »Unesco-Programm zum Schutz des immateriellen Kulturerbes« weltweit in Kraft. Deutschland hat die Konvention aber noch nicht unterzeichnet. Pech für den Kloß. Vorerst. »Kulturfragen sind in einem föderal organisierten Land eben schwierige Fragen«, sinniert Unesco-Sprecher Offenhäuser. Er meint damit, es wird noch reichlich Zeit vergehen.
Das immaterielle Kulturerbe bezieht sich auf Bräuche und Traditionen – die ideellen Kulturgüter also. Bisher sind 78 Nationen diesem Unesco-Abkommen beigetreten.
Kambodscha zum Beispiel stellte das Schattentheater der Khmer unter Schutz, Litauen seine traditionelle Kreuzschnitzerei, Malawi den Vimbuza-Heilungstanz oder die Mongolei ihr Volkslied Urtiin Duu. Sie gehören zu den weltweit 90 »Meisterwerken des mündlichen und immateriellen Kulturerbes der Menschheit«, die es schon auf die offizielle Unesco-Liste geschafft haben. Und da will nun auch der Thüringer Kloß hin.

In Heichelheim hat Sylk Schneider gerade sein Mittagessen bestellt: Klöße. Dem uralten Rezept – zwei Drittel rohe Kartoffeln, ein Drittel gekocht, das Ganze kräftig gestampft – ist er seit Kindertagen verfallen. 1999 suchten sie in Heichelheim einen, der das Kloßmuseum aufbaut. Schneider bewarb sich mit einer Präsentation, die einen Kloß im Weltall zeigt. »Das hat den Leuten gefallen, seit acht Jahren bin ich dabei und habe nichts mehr als Klöße und Kartoffeln im Hirn.«

Für dieTraditionspflege holt Schneider jetzt stets und ständig seine Unterschriftenliste raus. Bisher haben sich fast zweitausend Leute eingetragen. Die Bewegung wächst. …Dass es in Deutschland an der Zeit ist, den Begriff »Kulturgut« endlich weiter zu fassen, meint zumindest die Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Enquete-Kommission »Kultur in Deutschland« Gitta Connemann (CDU). Ein Kloß, warum nicht? In ihrem Wahlkreis habe sie schließlich auch die Idee unterstützt, die seltenen Knabstrupper – bekannt als Pippi-Langstrumpf-Pferde – zum Unesco-Kulturerbe erklären zu lassen. Erfolglos leider. Ebenso erging es dem Versuch, eine Kneipe in Berlin-Kreuzberg zum Weltkulturerbe zu adeln und in die Liste Deutscher Denkmäler aufzunehmen. Die Kneipe sei »Zeugnis noch bestehender, hoch entwickelter Trink- und Geselligkeitskultur«, hieß es in der wohl nicht ganz ernst gemeinten Begründung – via Internet nachzulesen.

Nun also ein Kloß. Immerhin: Unterschriften sammeln, ein richtiges Konzept entwerfen – in dieser Art ist die Initiative einzigartig in Deutschland, attestiert die Unesco-Kommission. Doch auf seinem Weg nach oben muss der Kloß erst einmal durch die Mühlen der Bundespolitik. Und allzu rund und schön wird er da nicht rauskommen, so viel steht jetzt schon fest. Einen gewissen Ratifizierungs-Druck verspürt zwar der SPD-Abgeordnete Steffen Reiche, Mitglied im Kulturausschuss. Aber das mit dem Kloß sei wohl eher »ein plumpes Missverständnis«. Ratifizierung ja – Kloß nein. »Ich habe schon viele Klöße gegessen, was soll daran bitteschön immateriell sein?« Selbst die oppositionelle Linkspartei winkt ab. »Wahrscheinlich wäre als deutscher Beitrag zum Weltkulturerbe das Biertrinken geeigneter«, sagt prompt die thüringische Bundestasgabgeordnete Lukrezia Jochimsen.

Aus dem Drucker in Sylk Schneiders Büro, eine zugige Schreibtischecke gleich hinterm Eingang zum Kloßmuseum, flattern die ersten Seiten seiner Denkschrift »Immaterielles Weltkulturerbe. Chancen für Thüringen«. Hier formuliert Schneider seinen zweiten großen Plan: Mit dem Kloß könnte das nahe gelegene Weimar gleich Sitz einer Bundesagentur für immaterielles Weltkulturerbe werden und deutschlandweit die ideellen Kulturgut-Geschäfte lenken. »Die Stadt ist schon gesegnet mit zwei Kulturerbestätten – Bauhaus und Weimarer Klassik. Beide wirken nicht nur durch ihre Gebäude, also das Materielle, sondern hauptsächlich durch ihren Geist, ihre Ideen«, fabuliert Schneider. Gastwirt Kästner, das verrät Schneider auch schon mal, tüftelt in der Küche der Heichelheimer Mühle bereits an einer technischen Vorrichtung zur Herstellung quadratischer Klöße – gewissermaßen als kulinarische Brücke zur Bauhaus-Philosophie. Kloßartig, oder?

Weiterlesen in der aktuellen Ausgabe DAS MAGAZIN 12/2007.
 
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Ausgabe 12/2007 ab sofort an Ihrem Kiosk  
  Im Dezember-MAGAZIN geht es um »gutes Benehmen«. Immer wieder gern diskutiert: die Frage der richtigen Begrüßung. Wie hätten Sie's gern?  
   
  Küsschen links & rechts  
  saloppes »Hallo«  
  Handschlag  
  »Give me five«